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Schon während der Schulzeit am Nikolaigymnasium in Leipzig ist Helmuth Domizlaff ein kundiger Sammler. Der junge Kunsthistoriker Karl Friedrich Suter steht ihm als sein Mentor und späterer Freund zur Seite. Bereits als Neunzehnjähriger hat er eine Sammlung deutscher Literatur zusammen getragen.
Er beginnt seine Ausbildung 1922 in der Buchhandlung Otto Harrassowitz in Leipzig. 1924 beendet er seine Lehrzeit und wechselt nach Frankfurt zu Joseph Baer & Co. Hier sind die Schwerpunkte Einbandkunde und die illustrierten Bücher des 15. und 16. Jahrhunderts, ein Bereich, der zu Domizlaffs bevorzugtem Gebiet wird.
Seine nächste Station ist ab 1925 eine Dependance von Jaques Rosentahls "L'Art Ancien" in Lugano an der Piazza Allessandro Manzoni.
Um 1928 wechselt Domizlaffins Münchner Antiquariat Jaques Rosenthals. Dort sind neben Jaques Rosenthal, dessen Sohn Erwin Rosenthal und Fritz Finkenstaedt tätig. Weitere Mitarbeiter sind Adolf Seebaß und Waldemar Lessing. Domizlaff wird Assistent von Erwin Rosenthal.
München ist nachdem ersten Weltkrieg neben London das internationale Zentrum des antiquarischen Buchhandels in Europa. Hier sind die bedeutendsten deutschen Antiquariate und Auktionshäuser in den Straßen zwischen dem Universitätsviertel und dem Karolinenplatz versammelt. Domizlaff bezieht eine einfache Wohnung am Nikolaiplatz in dem Stadtteil Schwabing.
Bereits 1930 zeichnen sich die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise auch in dem antiquarischen Buchhandel ab. Dennoch macht er sich in dem Dezember 1931 mit einem kleinen Betrieb selbständig. Unter der nationalsozialistischen Diktatur ist das geistige Klima in Deutschland für ein international agierendes Antiquariat denkbar schlecht. Dessen ungeachtet kann er den Betrieb trotz Krise und den nachfolgenden Kriegsjahren zu einem erfolgreichen Seltenheitsantiquariat entwickeln.
Von den Verboten des Reichskulturkammergesetzes von 1933 sind auch die Antiquare betroffen. Die jüdischen Buchhandlungen und zahlreichen, namhaften Antiquariate werden in den Jahren bis 1938 nach und nach geschlossen, die jüdischen Buchhändler mit Berufsverbot belegt. So löst sich unter der nationalsozialistischen Diktatur binnen weniger Jahre eine in sechs Jahrzehnten gewachsene Antiquariatslandschaft von internationalem Rang auf, deren Exponenten sich gezwungener Maßen über Nordamerika und Europa verteilen.
Die Wertschätzung der internationalen Kollegen hilft ihm nach 1945, die während der Kriegszeit verkümmerten Kontakte wieder aufzunehmen. Zu Beginn seiner Münchener Zeit lernte Helmuth Domizlaff den englischen Antiquar Percy M. Muir kennen, mit dem er seither freundschaftlich verbunden war. Diese Freundschaft dauerte über die Zeit der Nazi-Diktatur an und bewährte sich schließlich in den Nachkriegsjahren.
Nach dem Krieg regt der Amsterdamer Antiquar Menno Hertzberg die Bildung einer internationalen Vereinigung der nationalen Verbände von antiquarischen Buchhändlern an. 1948 wird in Kopenhagen die "International League of Antiquarian Booksellers (ILAB)" (http://www.ilab-lila.com/) gegründet und Percy M. Muir als deren Präsident gewählt.
Im Januar 1949 schließen sich die deutschen Antiquare in München zur "Vereinigung Deutscher Buchantiquare und Graphikhändler" (http://www.antiquare.de/) zusammen. In dem Gründungsvorstand sind neben Helmuth Domizlaff als Vorsitzenden Dr. Ernst Hauswedel aus Hamburg, Willi Heinrich aus Frankfurt sowie Dr. Georg Karl und Bernhard Wendt aus München.
Helmuth Domizlaff unterläßt zunächst jede Aktivität in Richtung auf eine Aufnahme, "um nicht der Gefahr ausgesetzt zu sein, eine Absage zu erhalten", wie er 1977 in einem Interview äußert. Schließlich erhält er als Vorsitzender der deutschen Vereinigung eine offizielle Einladung, an dem Liga-Kongreß in Brüssel in dem September 1951 teilzunehmen. Dort wird die deutsche Vereinigung dann als dreizehntes Mitglied in die Liga aufgenommen.
Seinen antiquarischen Buchhandel in Schwabing führt Helmuth Domizlaff bis 1980 weiter, bevor er sich 1983 in Übersee am Chiemsee niederläßt. Sein Unternehmen gilt selbst in Branchenkreisen als ungewöhnlich. Er ist unter den Antiquaren in Deutschland bekannt als einer der wenigen "marchand amateur", der mehr Sammler als Händler ist.
Am 30.08 1983 stirbt Helmuth Domizlaff in dem Alter von 81 Jahren in seinem Haus in Übersee. ==Literatur==
Peter Sumerauer, Carmen Zotta:
Helmuth Domizlaff - Der Antiquar als Botschafter, in: Mühlrad, Schulbank und Carrière - Geschichte und Familienüberlieferungen der Domizlaff aus Pommern und Preußen, Tübingen 2003, S. 485-501. ISBN 3-89308-360-X.
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